Früherer Lehrpfad aus dem Jahr 2015
1. Beim Neumarker Teich (Všerubský rybník)
Kommen Sie mit und besuchen Sie den Lebensraum unseres größten europäischen Nagetiers – dem Europäischen Biber (Castor fiber). Dieser geschützte Pflanzenfresser kann das Gewicht von über 35 kg und eine Länge von ca. 1,35 m erreichen. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich immer mehr durch die Landschaften Tschechiens. Er ist scheu und vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Seine Anwesenheit kann man immer an seinen unverwechselbaren Spuren erkennen. Wie viele Spuren werden Sie heute entdecken?

Unterwegs trifft man auch viele andere Tiere. Direkt vor Ihnen auf dem Mast befindet sich ein Storchennest. 2014 wurden hier drei junge Weißstörche erfolgreich flügge.
2. Wo befinden Sie sich?
Schauen Sie sich um – Sie befinden sich an einem geografischen Punkt, wo der Neumarker Pass (Všerubský průsmyk) den Böhmerwald und den Oberpfälzer Wald trennt. Sie stehen 425 m über dem Meeresspiegel, in einer Vertiefung der Europäischen Elbe–Donau–Wasserscheide.
Durch diese Landschaften verlief einer der großen alten Handelswege zwischen Prag und Regensburg. Von Bayern aus wurde durch die Säumer vor allem Salz transportiert, später auch Stoffe , Wein oder Gewürze. Zurück nach Bayern gingen Getreide, Hopfen oder Wolle.
In unserm Fall diente dieser Pfad wahrscheinlich auch zur Rückkehr des Bibers von Bayern nach Böhmen.
3. Welchen Lebensraum bevorzugt der Biber
Biber finden wir immer im Wasser an Flüssen, Bächen und Seen. Naturnahe Ufer mit Begleitgehölzen aus Weiden, Erlen, Pappeln oder Eschen runden ein attraktives Biberbiotop ab. Die Höhe des Wasserspiegels wird durch den aktiven Baumeister so festgelegt, dass er optimal über die dadurch entstehenden Wasserwege Nahrungsflächen erreicht –dies kann man hier ebenfalls beobachten. Die Wiese vor uns, ist ideal für den Biber. Frei von menschlicher Nutzung hat er hier viel Platz für seine Bauten, findet genug zum Fressen und durch das hohe Gras auch Schutz vor Entdeckung.
Biber bevorzugen naturnahe Auenlandschaften als Lebensraum, können aber durch ihre Baufertigkeit auch intensiv genutzte Kulturlandschaften besiedeln. Hier entstehen dann meistens Konflikte zwischen Mensch und Biber.
4. Der Biber ist ein tüchtiger Baumeister
Wenn das Wasser nicht tief genug oder die Wasserfläche zu klein ist, löst der Biber dieses Problem durch den Bau eines Dammes. Dazu nutzen Biber Baumstämme, Äste, Grassoden und Schlamm. An Dämmen wird täglich gebaut und ausgebessert. Plätschergeräusche animieren den Biber umgehend zu Reparaturen des Bauwerks. Biber wollen sich vor allem im Wasser bewegen und meiden weite Strecken über Land. Im Wasser ist der Transport von Nahrung (Ästen) oder Baumaterial wesentlich einfacher als über Land.
Der Körper des Bibers ist mit einem sehr dichten Fell bedeckt und die Zehen der hinteren Beine sind mit Schwimmhäuten versehen. Er kann seine Nase und Ohren bei Tauchgängen verschließen. Die Augen sind, dank einer Nickhaut, vor dem Wasser geschützt.
Direkt vor uns sehen wir jetzt einen kleinen Tümpel und am seinem Ende einen älteren Damm. Der auffälligste Damm befand sich 2014 am Bach rechts hinter der Brücke (siehe Station 5) und ein weiterer war am Waldrand in der Nähe eines Biberbaus (siehe Station 6).
5. Wie ernähren sich Biber?
Biber sind Pflanzenfresser. In der Winterzeit fressen sie vor allem dünne Äste, Rinde oder Bast, im Sommer vor allem Gräser. Hinter ihren Dämmen legen sie für den Winter oft sogenannte Nahrungsflöße aus Ästen und Zweigen an. Ihre Nagetätigkeit und durch das Fällen von Bäumen wird der Stockausschlag von Weiden und Pappeln gefördert. Dies verändert die Lichtsituation sorgt für mehr Artenvielfalt und gewährleistet auch in der Zukunft Nahrung für den Biber. Muscheln oder Fische werden vom Biber nicht gefressen, im Gegenteil er optimiert ihren Lebensraum.
Der Biber fällt Bäume, um sie zu fressen oder für seine Bauten – die Biberdämme und Biberburgen. Dafür ist er gut ausgestattet, er hat sehr starke obere und untere Schneidezähne (Nagezähne), die wurzellosen Zähne wachsen ein Leben lang stetig nach. Nagespuren an Bäumen sind eindeutige Nachweise, dass ein Biber hier zu Hause ist. Der sanduhrartige Fallkerb, mit den deutlichen Furchen der Nagezähne, ist im Tierreich einmalig und somit leicht zu bestimmen.
6. Wo wohnt der Biber?
Der Biber wohnt am liebsten in geräumigen Bauten, die er sich in den Uferhang gräbt oder er legt eine Biberburg inmitten des aufgestauten Baches, im Bibersee an. Der Eingang ist immer unter Wasser, damit schützt er sich und seinen Nachwuchs vor möglichen Gefahren.
Wir haben gemeinsam mit den Schülern einen verlassenen Biberbau im Frühling 2014 entdeckt. Er befand sich ca. 150 m von dieser Station, bachabwärts, entfernt. Im Herbst 2014 war sowohl der Damm repariert, als auch die Burg wieder bewohnt. Mit Hilfe einer Fotofalle wurde der neue Bewohner fotografiert.
Biber leben in Familien, es gibt Mama, Papa und ein- und zweijährige Jungtiere. Jede Familie bewohnt einen bestimmten Teil an einem Bach oder Fluss und besetzt dort ein Revier. Dieses Territorium wird aggressiv gegen fremde Bibern verteidigt.
7. Biber und Menschen
Der Biber gehörte Jahrhunderte lang zur böhmischen Landschaft. Während des 18. und 19. Jahrhunderts wurde er sogar zweimal vom Menschen ausgerottet, jetzt kehrt er wieder in unsere Natur zurück. In der Gegend des Neumarker Passes kommt er wieder seit den 90er Jahren des 20. Jh. vor.
Die Rückkehr des Bibers ist aus der Sicht des Naturschutzes eins Bereicherung für unsere Natur. Seine Gestaltungs- und Bauaktivität an Gewässern aller Art sorgt für eine Steigerung der Artenvielfalt und verbessert nachhaltig die biologische und hydrologische Situation. Dies schafft aber auch Interessenskonflikte mit der landwirtschaftlichen (z.B. Überstau von Wiesen und deren Vernässung) oder fischereiwirtschaftlichen (z.B. Unterminierung von Fischteichdämmen) Nutzung durch den Menschen. Hier gibt es noch viel zu tun, um diese Konflikte erfolgreich zu lösen.










